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Die Kunst, den richtigen Fahrradsattel zu finden!

Gepostet Von am Aug 11, 2014 | Keine Kommentare


Ein Fahrrad von hinten mit Fokus auf den Fahrradsattel

Der Fahrradsattel ist eine der wichtigsten Schnittstellen zwischen Fahrer und Fahrrad. Eine falsch eingestellte Sitzposition schmälert Leistung und Fahrspaß deutlich. Durch die Wahl des richtigen Sattels kann man hingegen den Komfort beim Radfahren deutlich steigern. Wichtig ist es dabei, dass der Druck des Körpers möglichst flächig auf den Sattel verteilt wird. Punktuelle Belastung kann zu Druckstellen führen.

 

Welcher Sitz-Typ bin ich?

 

Radfahrer lassen sich gut in zwei Kategorien einteilen: Scham- und Sitzbeinbelaster. Der erste Schritt zum richtigen Sattel ist also herauszufinden, zu welcher Gruppe man selbst gehört. Dies kann unter anderem von der Sitzposition abhängen.

 

Der Schambeinbelaster:

Beim Schambeinbelaster wird vor allem der empfindliche Dammbereich belastet. Dies führt oft zu einem unangenehmen Kribbeln und Taubheitsgefühlen. Die Ursache hierfür ist zumeist die Sitzposition. Wer eine sportlich überhöhte Sitzposition (Sattel höher als Lenker) bevorzugt oder einen Rahmen mit zu langem Oberrohr oder Vorbau fährt, belastet überwiegend den vorderen Teil des Sattels. Gerade im Rennrad-, Mountainbike- und Fitnessbereich kommt es oft zu Beschwerden dieser Art. Hersteller wie SQ-lab und Terry haben sich diesem Problem verstärkt angenommen.

 

Sitzbeinbelaster:

Zu der hauptsächlichen Belastung der Sitzbeine (Gesäßknochen) führt zumeist eine aufrechte Haltung. Druckschmerzen an den Sitzhöckern sind hierbei keine Seltenheit. Für Radfahrer diesen Typs gibt es jedoch einen Lichtblick: der Körper gewöhnt sich in der Regel recht schnell an die Belastung. So kann es sein, dass die Schmerzen nach einer Eingewöhnungsphase nachlassen. Fahrradsättel mit Kanten und Nähten im hinteren Sattelbereich sollten hierbei jedoch gemieden werden. Gerade bei Citybikes und Damenrädern tritt diese Art der Belastung vermehrt auf. Trekkingsättel von Herstellern wie Velo oder Brooks können hier Abhilfe schaffen.

 

Welche Sattel-Typen gibt es?

 

Klassischer Sattel

Der klassische Fahrradsattel ist die Mutter aller anderen Modelle. Er ermöglicht eine gleichmäßige Druckverteilung. Dies bedeutet aber auch, dass der Dammbereich nicht entlastet wird. Dieser Satteltyp ist im Radsport weit verbreitet und funktioniert für viele Radfahrer ausgezeichnet.

 

Lochsattel

Lochsättel haben in der Mitte eine Aussparung. Dadurch wird der Dammbereich entlastet und die Sitzknochen stärker belastet. Somit kann Durchblutungsstörungen vorgebeugt werden. Wichtig ist hierbei jedoch, dass das Loch auf den Fahrer passt. Jeder Fahrer sitzt ein wenig anders auf dem Rad, ob ein Lochsattel passt oder nicht, kann nur durch Ausprobieren herausgefunden werden.

 

Frauensattel

Man mag denken, dass es sich beim Frauensattel schon wieder um ein Produkt handelt, das nur dazu dient, neue Zielgruppen zu erschließen. Doch ganz so ist es nicht. Viele Frauen kommen auch mit einem Unisexsattel gut klar. Jedoch sollte nicht außer Acht gelassen werden, dass Frauen eine andere Beckenform als Männer haben. Darüber hinaus sind die Beckenknochen stärker gewölbt als bei Männern. Speziell geformte Sättel (zumeist Lochsättel) können helfen, Sitzproblemen vorzubeugen.

 

Maßangefertigter Sattel

Ein maßangefertigter Sattel ist die Allzweckwaffe gegen Sitzbeschwerden. Individuell auf die Anatomie und Sitzhaltung des Fahrers angepasst, bietet er maximale Ergonomie, Komfort und Performance. Allerdings sind maßgefertigte Sättel deutlich teurer als ihre Kollegen von der Stange.

 

Welcher Sattel passt zu mir?

 

Um das herauszufinden empfiehlt es sich, zunächst den Abstand der Sitzknochen zu bestimmen. Dies kann man entweder bei einem Fachhändler vornehmen lassen oder zu Hause selbst mit einem Messkit in Erfahrung bringen. Hersteller wie Terry, Spezialized und SQ-lab statten hierzu Händler mit Messwerkzeugen aus. Dies sind zumeist Gelkissen oder Druckfolien, die die Druckpunkte der Sitzknochen abbilden. Hat man für den Gang zum Fachhändler gerade keine Zeit, kann man sich zu Hause entweder mit einem schlichten Stück Wellpappe behelfen. Die Vorgehensweise ist in beiden Fällen gleich. Man legt die Pappe auf einen harten Stuhl oder eine Treppenstufe und setzt sich darauf. Somit entsteht ein Abdruck der Sitzknochen auf der Pappe. Hierbei sollte man Folgendes beachten: keine dicke Hose Tragen. Jeans und co. verfälschen das Messergebnis. Sitzen sie aufrecht und stellen sie die Füße entweder auf die Zehenspitzen oder einen kleinen Hocker. Nur so kann ein gutes Ergebnis gewährleistet werden. Nun gilt es nur noch, den Abstand der entstandenen Abdrücke zu messen. Bei einer sportlichen Sitzposition wird der Innenabstand, bei einer aufrechten Sitzposition der Außenabstand gemessen. Somit haben Sie die ideale Sattelbreite ermittelt.

 

Nun muss nur noch der richtige Satteltyp in der richtigen Breite gefunden werden und einem lang anhaltenden Fahrspaß steht nichts mehr im Weg.

 

Wie kann man Sitzprobleme beheben?

 

Zunächst muss man einen guten Sattel finden, der auf die persönliche Anatomie passt. Bleiben die Probleme weiterhin bestehen oder wurden nur wenig geschmälert, gibt es weitere Maßnahmen, die den Sitzkomfort erhöhen können.

 

Tipps für Schambeinbelaster:

Hier lautet die Devise: „öfter mal im Stehen fahren“. Pro Stunde radfahren sollte man mindestens 5 Minuten aus dem Sattel gehen. Dies kann bei leichten Anstiegen oder kurzen Sprints erfolgen. Dynamisches Sitzen gewährleistet nicht nur eine dauerhafte Durchblutung im Dammbereich, sondern lockert auch die Muskulatur. Halten die Probleme weiter an, sollte die Geometrie des Rades überprüft werden. Ist die Sitzposition zu überhöht bzw. das Oberrohr des Rahmens oder der Vorbau zu lang? Versuchen Sie es in diesen Fällen mit einem steileren bzw. kürzeren Vorbau.

 

Tipps für Sitzbeinbelaster:

Wie eingangs erwähnt, gewöhnt sich der Körper oft an die zumeist ungewohnte Belastung. Fahren Sie daher regelmäßig kürzere Strecken, um sich einzugewöhnen. Darüber hinaus sollte man auf eine gute Polsterung und Druckverteilung achten. Es klingt paradox, aber ein zu weicher Sattel ist unbequemer als ein harter. Eine geeignete Radhose bietet zusätzliche Polsterung und der Druck des Gewichts wird gleichmäßig verteilt. Achten Sie dabei darauf, dass das Polster der Radhose aus möglichst einem Stück gefertigt ist. Zu viele Nähte führen zu Druck- und Scheuerstellen.

 

Für einen lang anhaltenden Spaß am Radfahren ist es wichtig, dass man sich auf dem Fahrrad wohlfühlt. Die Beratung durch einen Fachhändler kann hier sehr aufschlussreich sein.

 

Gastautor: Lisa Kopas

Autorin: Lisa Kopas

Will man Lisa Kopas treffen, sollte man dort suchen, wo das Abenteuer wartet. Ob mit Seil und Haken, Ski oder Fahrrad, bei Lisa wird es so schnell nicht langweilig. Darüber hinaus bewältigt sie als freie Texterin und Autorin die Wirren der deutschen Sprache ebenso leicht wie hohe Berge und tiefe Täler.

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